Das Strohballenhaus im Brennesselgarten


Strohballenhaus im BrennesselgarenAm 27. April 2011 war der Baubeginn für das Strohballenhaus. Über den Winter wurde das Holzständerwerk vorbereitet, so das der Baufortschritt vergleichbar mit einer konventionellen Baustelle ist. Es konnte mit drei Personen, unterstützt von maschineller Hebetechnik, aufgebaut werden. Am 27. Mai 2011 war bereits Richtfest.

Neuland war für viele der Einsatz des ökologischen Dämmmaterials "Schaumglas", welcher hier als Schüttgut in und um die Fundamentplatte, sowie innen umlaufend vertikal als Dämmplatte, eingesetzt wurde. Die Verarbeitung wurde für gut befunden. Durch diese Entkoppelung ist ein Durchdringen der Kälte durch den Fundamentbereich nicht möglich. Dies macht sich beim Barfußlaufen spürbar bemerkbar.

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Parallel zur Dacheindeckung, fand das Aufmauern der Innenwände und der Schornsteinbau, statt. Für das Dach habe ich 12.000 historische Handstrichziegel gesäubert und sortiert, da drei verschiedene Sorten in den Paletten zu finden waren. Teilweise sind sie dreimal so dick wie neue Biber und trotz ihres Alters, lohnt sich, schon wegen ihrer lebendigen Form, der weitere Einsatz. Er drängt sich in Kombination mit den bewegten Formen der Stroballenwände auch fast auf. Alles in allem hat sich der Aufwand gelohnt, es ist eine Augenweide jetzt alles im Einklang zu sehen. Zur Fertigstellung des Daches fehlten übrigens zum Schluss 200 Stück Ziegel plus die Firste. Fündig wurde ich in der Altmark. Dank an die Handwerker, welche sich für historische Baustoffe einsetzen, sie bergen und lagern.

Für das Ausmauern der Wände habe ich mich für ungebrannte Lehmsteine entschieden, welche zum Teil sichtbar vermauert wurden. Ein Anstrich mit Naturpigmenten ist noch offen, der Charakter der Wand bliebe erhalten. Andere Wände sind mit Lehmputz versehen, ein Universalputz mit Strohhäckselanteil.

Ziel im Strohballenbau, ist eine Bevorratung an Baustrohballen. Die Umsetzung dafür bietet eine gute Strohballenernte. Auch 2011 ließ das Wetter dies nicht zu. Die vorgesehene Ernte ca. Mitte Juli, verschob sich regenbdingt Woche um Woche. Die Nerven lagen mittlerweile blank und die Erlösung aus diesem Drama erfolgte am 18. August 2011 mit der Strohballenernte in der Magdeburger Börde.

Mit einer passenden Presse wurden 700 Baustrohballen aus biologischen Winterweizen gepresst. Durch die Dreifachpressung hat ein ca. 50 cm lange Ballen ein Gewicht von ca. 11 kg, entsprechend ca. 1,o m Länge etwa 22 kg. Diese wurden von zwei Helfern und mir von Mittags bis 23.30 Uhr, bis das nächste Gewitter über uns hereinbrach, eingefahren. Nun konnte endlich mit dem Strohballenbau begonnen werden. Mit etlichen gutgelaunten Helfern dauerte es genau vier Wochen bis das Haus seine Außenwände hatte. Der anbrechende Herbst entpuppte sich als wunderschöner Altweibersommer - es konnte noch die erste von drei Lehmschichten im Innenbereich auf die Strohballen und zwei von drei Kalkputzschichten im Außenbereich, anbracht werden. Zeitgleich erfolgte der Einbau der Fenster und Haustür. Es sind nach außen aufgehende Holzfenster, welche regional von der Firma Timme hergestellt wurden. Es war mein Anliegen regionale Baustoffe und Handwerker an diesem Bauprojekt zum Einsatz zu bringen. Ich kann jeden von ihnen nur wärmstens weiterempfehlen, denn sie verstehen auch heute noch das alte Handwerk.

Mitte Oktober 2011 sind wir in das Haus eingezogen, obwohl der Innenausbau längst nicht abgeschlossen ist. Dank der ökologischen Baustoffe ist dies kein Problem, es ist urig, gemütlich und man fühlt sich wohl. Eine Weile auf Perfektion und Komfort zu verzichten ist eine gute Übung sich wieder auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren. Der Innenausbau ist auch 2012 noch nicht erheblich fortgeschritten. Mein Hauptaugenmerk lag in diesem Jahr in der Fertigstellung der Werkstatt und der dazugehörigen Außenanlagen um den Workshopbetrieb aufzunehmen.

Für 2013 stehen die Fertigstellung des Fußbodens, Fertigstellung des Bades, das Verputzen der restlichen Innenwände, Einbau von Innentüren, Einbau der Treppe zum Obergeschoß und der Austausch des Bullerjan Werkstattofens gegen einen Lehmgrundofen - für das Strohballenhaus an.

Nach telefonischer Anmeldung kann eine ca. 1,5 stündige Besichtigung und Erläuterung des Strohballenhauses (50,00 €uro, max. 6 Personen - größere Gruppen auf Anfrage) erfolgen. >>>

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